Der Sprengmeister von Wien

Wann sprengt der Messias die nächste Regierung?

Während andere Staatsmänner bei ihrer zweiten Angelobung bereits ein halbes Jahrzehnt oder länger ihres Amtes walten, ist Sebastian Kurz, das Zugpferd der türkis verkleideten pechrabenschwarzen Volkspartei, gerade einmal knapp zwei Jahre im Amt und bald schon Mitglied einer dritten Regierung – ein ziemlicher Verschleiß. Und das nicht einmal durchgehend, schließlich war er zwischendurch auch über ein halbes Jahr Altkanzler.

Wie kommt das? Werfen wir einen Blick zurück. Im Jahre 2017 übernimmt Sebastian Kurz von Reinhold Mitterlehner die Volkspartei. Nicht allerdings den Vize-Kanzler, den ließ er Wolfgang Brandstetter machen. Mitterlehner ist heute noch so erbost darüber, dass er seinen Gram sogar in Buchform gießen ließ, das Sobotka als „Torpedeur“ der – zugegebenermaßen erfolglosen – Regierungsarbeit zwischen Kern und Mitterlehner erscheinen lässt. Die erste Regierung jedenfalls, die, wenn auch nicht durch Kurz, so doch für Kurz gesprengt wurden ist. Das Resultat: Neuwahlen!

Dann Koalition mit der FPÖ – bis Ibiza. Doch obwohl mit Strache und Gudenus alle „Übeltäter“ von der Bildfläche verschwinden, und Kurz anfangs auch versichert weiter zu regieren, ändert er – vermutlich auf Druck des alten ÖVP-Netzwerks – „kurzerhand“ die Strategie und meint: „Es reicht.“ Neuwahlen!

SPÖ und FPÖ landen nun auf der Oppositionsbank, jetzt sind die „Grünen“ dran. Wurden während der Koalitionsverhandlungen in den Medien noch zahlreichen „Zugeständnisse“ an die Grünen kolportiert, stellte sich nachher heraus: Der Messias hat sie glatt über den Tisch gezogen. Ausgerechnet die „Grünen“ müssen nun jene Sicherungshaft mit Kurz umsetzen, die sie seinerzeit lautstrakt gebrandmarkt hatten. Man sieht also, wie viel Ideal tatsächlich bei den „Grünen“ da ist – nämlich gar keines. So billig hat sich noch kein Koalitionspartner verschenkt. Eine Weihnachtsgabe an den Hl. Sebastian?

Bleibt nur noch die Frage, wann Sebastian Kurz nun auch seine dritte Koalition sprengt. Glaubt man der Statistik und den Erfahrungswerten, so dürften es maximal drei Jahre halten. Vielleicht geht’s aber auch schneller. Vielleicht rutscht er in den Umfragen gar über die 40 Prozent, wähnt sich als neuer Kreisky – in seinem Zimmer residiert er immerhin schon – sprengt von Neuem, macht auch die Grünen zur Ex und heiratet dann als immer noch „jüngster Bundeskanzler der Republik“ die NEOS – als Morgengabe ein Ministerämtchen.

Nur, wer kommt dann wohl als nächster dran? Langsam gehen ihm die Partner aus. Vielleicht fängt dann alles von vorn wieder an. Wir dürfen gespannt sein. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit…

[Autor: A.L. Bild: www.wikipedia.org/Пресс-служба Президента России Lizenz: CC BY 4.0]

Der Beitrag Der Sprengmeister von Wien erschien zuerst auf ZurZeit.

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