Erdogan und Islamisten wollen Hagia Sophia zur Moschee machen

Die Pläne des türkischen Präsidenten sind ein Zugeständnis an Islamisten. Aus dem Ausland kommt scharfe Kritik.

Die Hagia Sophia („Göttliche Weisheit“) wurde von 532 bis 537 n. Chr. während der Herrschaft des byzantinischen Kaisers Justinian des Grossen als Reichskirche des griechisch-orthodoxen Kaiserreichs Byzanz gerbaut und war die größte Kirche des Christentums. Nach der Eroberung Konstantinopels, des heutigen Istanbul, durch die türkischen Osmanen wurde sie 1453 zur Moschee und mit Minaretten versehen. Auf Betreiben des türkischen Republikgründers Mustafa Kemal Atatürk ordnete der Ministerrat im Jahr 1934 die Umwandlung in ein Museum an. Mit dem Laizismus eines Atatürk ging es in der Türkei seit Recep Tayyip Erdoğan beständig bergab. Ein weiterer Schritt der Islamisierung in der Türkei soll die erneute Nutzung der Hagia Sophia als Moschee sein. Bereits im vergangen Jahr verkündete er: „Die Hagia Sophia wird nicht länger als Museum in Erinnerung bleiben. Die Hagia Sophia wird als Moschee zu Ehren kommen. Das ist die Erwartung unseres Volkes und der muslimischen Welt. Unser Volk sehnt sich seit Jahren danach, die Hagia Sophia als Moschee zu sehen“.

Islamisten loben Erdogans Pläne

Islamisten, wie der Führer der ägyptischen Muslimbruderschaft und ehemalige Abgeordnete Mohamed Al Sagheer lobten die vorgeschlagene Umwandlung des Museums in eine Moschee: „Mehr als 400 Jahre lang wurden Gebete gesprochen… Wird Erdoğan die Methoden des Eroberers wiederbeleben und wir hören wieder Allahu Akbar in der Moschee?“ Kritik an seinen Plänen hat Erdoğan bisher schroff zurückgewiesen. Auf einen Brief der griechischen Kulturministerin Lina Mendoni an die UNESCO – die 1985 die Hagia Sophia zum Weltkulturerbe erklärte – in dem es hieß: „Was die türkische Regierung und Präsident Erdogan heute zu tun versuchen, belebt und entfacht fanatische nationalistische und religiöse Gefühle wieder. Es ist ein Versuch, den Wert und die internationale Ausstrahlung des Denkmals zu mindern“, antwortete der türkische Ministerpräsident im Nachrichtensender TRT: „Griechenland verwaltet dieses Land nicht, also sollte es solche Äusserungen vermeiden. Wenn Griechenland seinen Platz nicht kennt, weiß die Türkei, wie sie antworten muss“. Auch die UNESCO betonte der Türkei gegenüber, dass sie eine Statusänderung für die Kulturerbestätte genehmigen müsse.

Proteste der russisch-orthodoxen Kirche

Auch der russisch-orthodoxe Patriarch Kyrill I. sprach sich nun kategorisch gegen eine Nutzung der Hagia Sophia als Moschee aus. „Jeder Versuch, das tausendjährige geistige Erbe der Kirche von Konstantinopel zu entwürdigen oder zu verletzen, wurde und wird vom russischen Volk – sowohl früher als auch jetzt – mit Bitterkeit und Empörung wahrgenommen“, betonte das Kirchenoberhaupt am Montag in einer schriftlichen Erklärung in Moskau. Eine Bedrohung der Hagia Sophia stelle eine „Bedrohung für die gesamte christliche Zivilisation dar, also für unsere Spiritualität und Geschichte“. Unterstützt wurde der Protest durch Kremlsprecher Dmitri Peskow, der die Bedeutung der Kathedrale als Weltkulturerbe und als Anziehungspunkt für Millionen Touristen betonte. Bereits am 2. Juli diesen Jahres hatte sich der Staatsrat, das oberste Gericht der Türkei mit dem Beschluss des Ministerrates von 1934 beschäftigt, da 2016 ein Verein Klage eingereicht und eine Annullierung der damaligen Entscheidung gefordert hatte. Der Staatsrat hatte nach der Anhörung mitgeteilt, dass er den Fall binnen 14 Tagen entscheiden werde.

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