Verschwörungstheorien werden mit zeitlichem Abstand oft Wirklichkeit

Aus den letzten Jahrzehnten sind zahlreiche „Verschwörungstheorien“ dokumentiert, für deren Verbreitung Personen angegriffen, verleumdet oder gar verfolgt wurden. Die sich dann aber, historisch rückblickend betrachtet, als wahr herausgestellt haben …

Ein Gastbeitrag von Stefan Magnet

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Eine kurze, unvollständige Übersicht soll das Bewusstsein schärfen, dass der Begriff des „Verschwörungstheoretikers“ ein politischer und psychologischer Kampfbegriff ist. Der Begriff ist bereits seit mehr als 150 Jahren dokumentiert, die Ausgrenzung von Abweichlern ist aber so alt wie die Menschheit selbst.

Die jüngere Geschichte des Begriffs beginnt 1967 anlässlich der Ermordung des US-Präsident John F. Kennedy. Um die auch Jahre nach dem Mord nicht enden wollenden Spekulationen um den „wahren Tathergang“ zu ersticken, entwickelten die Geheimdienste eine Gegenstrategie.

Dokumentiert ist beispielsweise ein im April 1967 von der CIA-Abteilung PW/CS versandetes Dokument. PW/CS steht für „Psychological Warfare/Clandestine Services“, also psychologische Kriegsführung und Geheimdienste.

Das erwähnte Dokument 1035-960 empfahl zur Diskreditierung von Zweiflern der offiziellen Mordversion den Begriff des „Verschwörungstheoretikers“ zu verwenden.

Der Journalist Mathias Bröckers, der umfangreich zu dieser Materie geforscht hat, schreibt: „Mit dieser CIA-Anweisung kann der Beginn einer neuen Inquisition datiert werden: Der bis dahin neutrale Begriff ‚Verschwörungstheorie’ wird zu einem Kampfbegriff der psychologischen Kriegsführung.

Um ihn unter das Volk zu bringen, wurden die CIA-Büros aufgefordert, ihre ‚friendly elite contacts’ in Medien und Politik zu nutzen, was dann erfolgreich geschah.“

Regime-Change im Iran

Der neue Kampfbegriff wurde auch prompt auf jene Kritiker angewandt, die auch in den 1970er und -80er Jahren an den illegalen Putsch im Iran erinnerten und den USA eine Mitschuld an der damaligen Eskalation gaben.

1953 stürzte eine illegale Geheimdienst-Aktion der USA und Großbritanniens den ersten demokratische gewählten Präsidenten im Iran: Mohammed Mossadegh. Er hatte zuvor das iranische Erdöl verstaatlicht. 2013 veröffentlichten die USA Akten, die die Verstrickungen der USA nachwiesen („Operation Ajax“).

Geheim-Armeen in Europa

Der Schweizer Historiker Dr. Daniele Ganser dokumentierte umfangreich, dass es in Europa sogenannte „Stay-Behind-Armeen“ gab. Verdeckte Kriegsführung, von illegalen und geheimen Truppen. Zumindest bis zum Ende des kalten Krieges in den 1990ern waren solche Einheiten in Italien, Deutschland, Österreich und anderen Staaten aktiv.

In Italien hieß die Geheimarmee „Gladio“, zahlreiche Anschläge mit vielen Todesopfern gehen auf ihr Konto. Der geständige Terrorist Vincenzo Vinciguerra sagte: „Man musste Zivilisten angreifen, Männer, Frauen, Kinder, unschuldige Menschen, unbekannte Menschen, die weit weg vom politischen Spiel waren. (…) Der Grund dafür war einfach: Die Anschläge sollten die Menschen, das italienische Volk, dazu bringen, den Staat um größere Sicherheit zu bitten.“

Strippenzieher der Geheimarmeen: CIA und NATO. Wer in den 1990er-Jahren vor dem globalen Überwachungssystem „Echelon“ warnte, wurde als „paranoid“ schief angesehen. Weltweite Überwachung von Telefonen, Nachrichtendiensten? Verfolgungswahn!

2001 bestätigte ein Untersuchungsbericht des EU-Parlaments die Existenz dieses Spionagenetzwerks, unter Führung der USA. Spätere Überwachungsorgien wie die NSA-Bespitzelung (aufgeflogen 2013) oder die Weitergabe von Bewegungs- und Handy-Daten durch die Telefonanbieter im Frühling 2020 stellten „Echelon“ abermals in den Schatten.

Irak 1990 & 2003

1990 wurde der Irak-Krieg durch die sogenannte „Brutkastenlüge“ begonnen. Eine Frau schilderte unter Tränen, dass irakische Soldaten neugeborene, kuwaitische Babys aus den Brutkästen rissen und töteten.

Als der Irak in Schutt und Asche lag, wurde alles aufgeklärt: Die ganze Geschichte war frei erfunden, umgesetzt von der amerikanischen PR-Agentur Hill & Knowlton. Die „Zeugin“ war die 15-jährige Tochter des kuwaitischen Botschafters in den USA.

2003. Die USA erzählen der ganzen Welt, dass sie gesicherte Beweise hätten, dass der Irak heimlich Massenvernichtungswaffen herstellen würde. Auch das stellte sich nach der Invasion im Irak als glatte Lüge heraus.

Es wurden keine Massenvernichtungswaffen gefunden. Konsequenzen für die USA gab es trotzdem keine, obwohl unzählige Juristen und Staatsmänner den Angriffskrieg gegen den Irak als völkerrechtliches Verbrechen anprangerten.

Die USA und Großbritannien blockierten im UN-Sicherheitsrat eine Verurteilung ihrer Aggression mit einem Veto, weshalb es nie zu Konsequenzen kam.

Die Süddeutsche Zeitung schrieb zehn Jahre nach Kriegsbeginn: „Einer US-Studie zufolge starben während des Irak-Krieges und der anschließenden Besatzung eine halbe Million Iraker. Und das ist eine niedrige Schätzung.“ (SZ, 16.10.2013) Der Großteil dieser Toten waren Zivilisten.

Theorien sterben nie aus

Nach dem Putsch in der Ukraine 2014 gestand die US-Staatssekretärin Victoria Nuland, dass die USA fünf Milliarden US-Dollar in den Aufstand investiert hätten.

Der angeblich von bösen Rechtsextremen erfundene „Bevölkerungsaustausch“ wird von der UNO und der EU programmatisch festgeschrieben und entsprechend betrieben, er heißt in den Verträgen und Papieren „Ersetzungsmigration“ (replacement migration).

Und so gibt es noch eine Unzahl aktueller „Verschwörungstheorien“, die offiziell ungeklärt sind: Wer es wagt, diese verminten Themenfelder zu betreten, Fragen zu stellen oder gar Widerspruch anzumelden, der wird mit dem seit Jahrzehnten bewährten Begriff attackiert.

Und Regierungen, Geheimdienste und ihre Netzwerke in den Medien dürften auch heute noch gute Gründe haben, dieses Mittel der psychologischen Kriegsführung einzusetzen.

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