Die Unredlichen






Ein Artikel von Marcus Franz

 

Die politisch-intellektuelle Debatte in den österreichischen Qualitäts-Medien ist in einem erbärmlichen Zustand. Seit durch eine demokratisch erzielte Entscheidung namens Nationalratswahl klar
wurde, dass deutlich mehr als die Hälfte der Österreicher die Zukunft unserer Nation politisch rechts der Mitte erleben wollen, sind viele der überwiegend linkslastigen Redakteure und
Kommentatoren in den traditionellen Medien förmlich in heller Panik vor dem herandräuenden sogenannten “Rechtsruck”.

 

Im Dauer-Alarmismus

Besagte Medienleute agieren kopflos, weil ihnen die rationalen Argumente gegen die kommende Koalition aus Schwarz und Blau längst ausgegangen sind. Es will nicht in die sonst so (sozial-)
demokratisch orientierten Köpfe: Die Mehrheit hat in einer Demokratie prinzipiell recht, sonst bräuchten wir ja nicht wählen zu gehen. Das wollen die Damen und Herren aber im aktuellen Fall nicht
wirklich anerkennen – und wenn, dann nur per Lippenbekenntnis.

 

Eines der letzten linken Argumente, nämlich dass Österreich im Ausland scheel angesehen würde, falls Sebastian Kurz und HC Strache eine Regierung bilden, zieht nicht mehr: Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass es für die Mehrheit der Bürger egal ist, was das Ausland an Reaktionen
abgeben würde. Die Österreicher sind viel selbstsicherer als im Jahr 2000 zu Beginn von SchwarzBlau Eins – und sie wollen Veränderung.

 

Man greift daher als braver und medienaktiver Salon-Linker, der im antifaschistischen Dauer-Alarmismus zu Hause ist, zur letzten Waffe und packt die Nazi-Keulen aus. In irgendeiner Mottenkiste
der Redaktion findet man diesen abgenützten Prügel immer.  Damit drischt man dann wahllos auf demokratisch gewählte Politiker ein. 

 

Zahlen, Burschen und Pathos

Statt sich inhaltlich mit den brennenden sachpolitischen Fragen auseinander zu setzen, veranstalten die einschlägig bekannten Redakteure beispielsweise Zählungen und kontrollieren, wie viele
Burschenschafter es in den Reihen der FPÖ gibt – als ob es unfassbar und ganz neu wäre, dass bei den Blauen viele Korporierte dabei sind. Nach der Zählung verkaufen sie dem Leser die erhobene
Zahl der Burschenschafter als intellektuelles Argument gegen die Regierungsbeteiligung der FPÖ. 

 

Und überall plappern die Mahner in künstlichem Pathos und mit erhobenem Zeigefinger davon, wie groß nun die Verantwortung des zukünftigen Kanzlers Kurz sein werde: Die deutsch-nationale Gefahr
von rechts, die immer gerne auch als braun bezeichnet wird, würde unsere Republik im Bestand gefährden und man dürfe daher keinesfalls sogenannte sensible Ministerien (Innen- u.
Aussen-Ministerium) mit Burschenschaftern besetzen. 

 

Intellektuelle Unredlichkeit

Warum diese Argumentationslinien unredlich sind, wird nach einem Blick in die Geschichte der Burschenschaften klar: Verschwiegen wird von allen linken Kommentatoren nämlich konsequent, dass die
Burschenschaften (und nahezu alle anderen Korporationen, die in Österreich eingetragen sind) im Dritten Reich verboten waren und viele von ihnen außerdem schon über hundert Jahre vor der
Machtergreifung des Unsäglichen gegründet wurden. Primäre Ziele der Burschenschaftsbewegungen sind seit damals unter anderem die Bewahrung des deutschsprachigen Kulturraums und die akademische
Freiheit.

 

Geistes-, entwicklungsgeschichtlich sowie weltanschaulich haben die Korporationen mit der sozialistischen, rassistischen und auf das deutsche Volk fokussierten Denke des NS nichts zu tun. Die
einzige Überschneidung ergibt sich geschichtlich im deutschnationalen Denken – aber das darf man eben nicht mit der braunen Ideologie verwechseln: Der NS war zunächst eine Arbeiterpartei und sie
war den Akademikern und Bürgerlichen feindlich gesinnt. Goebbels schrie in seinen Brandreden schon 1927: “Wir sind die neuen Linken!” Das passt zu den akademischen Verbindungen wie die Faust aufs
Auge.

 

Natürlich gab es zwischen 1938 und 1945 auch bei den Korporierten eine Reihe von echten Nazis – so wie es sie damals in allen sozialen Gruppierungen, Gesellschaftsschichten und Parteien gab. Die
Braunen waren nachweislich überall vertreten. Sogar manche Pfarrer waren Mitglieder der NSDAP. Und man muss immer wieder darauf hinweisen: Viele, teils hochrangige Nazis wanderten nach dem Krieg
zur SPÖ und wurden dort mit offenen Armen empfangen, ja sie machten bei den Roten teilweise große Partei-Karrieren. Dass sich die Herren und Damen der heutigen, vorwiegend aus Roten und Grünen
bestehenden linken “Antifa”-Gilde mit diesen denkwürdigen Tatsachen besonders kritisch beschäftigen würden, ist aber bisher noch nie aufgefallen. 

 

Am Ende kontraproduktiv

Die gern als “Links-Intellektuelle” daherkommenden Kommentatoren, die uns täglich ihre redundanten FPÖ-Kritiken liefern und den Wahlgewinner Kurz mit entsprechend ähnlichen Vorwürfen
konfrontieren, scheitern durch diese ihre Unredlichkeit im politischen Diskurs völlig – und sie nehmen sich damit letztlich aus dem Spiel, weil sie mit ihren “Argumentationen” nicht mehr ernst zu
nehmen sind. Sie tun es aber unbeirrt weiter, bis wirklich jeder Mensch am liebsten schon kopfschüttelnd die Ohren zuklappen und wegschauen würde, wenn er eine dieser ewig gleichen Tiraden
hört oder liest. Das permanente Geschrei der selbsternannten  Antifa-Kämpfer wirkt somit am Ende nur noch kontraproduktiv.